Der Hund, der am falschen Morgen wartete

Larissa merkte sich den Mann nur, weil er bar bezahlte. Scheine, leicht zerknittert, legte er auf den Tresen, als wäre das Tier an der Leine eine Reparatur, die man abgibt und später abholt. „Baden, schneiden, trocknen", sagte er. „Ich komme gleich wieder. In ein, zwei Stunden."

Dann war er weg. Die Glastür fiel ins Schloss, und der Hund blieb.

Der Hund hieß Buddy. So stand es auf dem Zettel, den der Mann mit den Scheinen hingelegt hatte. Ein Labrador-Mix, vielleicht fünf oder sechs, mit hellen Augen und diesem ruhigen Vertrauen, das ältere Hunde haben, wenn sie glauben, alles sei in Ordnung, weil ein Mensch es gesagt hat.

Larissa brachte ihn in den Waschraum. Der Salon in Bremen-Neustadt lag im Hinterhof, zwischen einem Second-Hand-Laden und einer Fahrradwerkstatt. Durch die Oberlichter fiel trübes Februarlicht. Draußen fuhr die Straßenbahn der Linie 4 vorbei, alle zwölf Minuten, und jedes Mal hob Buddy kurz den Kopf, wenn die Türdämpfung zischte.

Beim Baden war er still. Zitterte nur, als das Wasser den Rücken traf. Larissa sprach mit ihm, durchgehend, diesen Ton, den man Tieren gegenüber anschlägt, wenn man selbst etwas beruhigen will. Dann schäumte sie das Mandelshampoo auf, arbeitete es ins Fell, spülte, trocknete. Eine Stunde. Vielleicht etwas länger. Buddy stand am Ende auf dem Edelstahltisch, sauber, glänzend, der Geruch vom Shampoo hing im halben Raum.

Sie setzte ihn auf den Boden.

Buddy schüttelte sich. Dann ging er zur Tür. Er drückte die Nase an die Scheibe, drehte sich einmal um, suchte das Gesicht, das er kannte. Fand es nicht. Und setzte sich.

So fing es an. Um Viertel nach zehn.

Die erste Stunde war noch normal. In der zweiten begann Selma, die Auszubildende, zu husten, so wie sie es tat, wenn sie etwas nicht aussprechen wollte.

„Vielleicht steckt er im Stau", sagte Larissa.

„In Bremen-Neustadt", sagte Selma. „Um halb elf. Sicher."

Es war ein Dienstag. Kein Feiertag, keine Ferien, die Straßen frei. Um halb zwölf tippte Larissa die Nummer, die der Mann hinterlassen hatte. Es klickte. Eine mechanische Stimme: Diese Rufnummer ist nicht vergeben.

Sie versuchte es noch einmal. Das Gleiche.

Selma blickte von ihrem Handy hoch. „Und?"

„Geht nicht."

„Was heißt, geht nicht?"

„Existiert nicht." Larissa legte das Handy auf den Tresen. „Die Nummer. Es gibt sie nicht."

Für eine Weile sagte keine von ihnen etwas. Nur Buddy saß an der Tür, die Vorderpfoten exakt nebeneinander, der Rücken gerade, wie ein Hund, der gelernt hat, dass Warten eine Arbeit ist. Er jaulte nicht. Er kratzte nicht. Er starrte einfach die Glastür an — nein, nicht starrte. Er beobachtete. Jedes Mal, wenn sich draußen ein Schatten bewegte, hob er den Kopf, die Ohren gingen ein Stück nach vorn, die Rute zuckte. Dann ging die Tür auf, jemand Fremdes kam herein, und Buddy legte den Kopf wieder schief, sah zu Larissa herüber, als wolle er fragen: Noch nicht?

Einmal kam eine Kundin, die ihren Terrier abholte. Buddy stand auf. Sein Körper straffte sich. Die Frau ging an ihm vorbei. Er setzte sich wieder.

So wurde aus „kommt gleich" gegen Mittag ein leiser Verdacht. Und aus dem Verdacht später ein Wort, das Larissa nicht laut sagen wollte, weil es sich anfühlte wie ein Urteil: ausgesetzt.

Manchmal passiert das. Jemand bezahlt im Voraus, lässt den Hund da und geht. Der Salon als Entsorgungsstation. Billiger als ein Tierheim. Für die Hunde stimmt das nicht, dachte Larissa. Ein Tierheim kostet siebenundfünfzig Euro im Monat pro Tier. Ein Hund kostet nur einmal.

Buddy hatte nichts davon verstanden. Das war das Schlimmste. Er saß da, mit dieser Geduld, die nur ein Tier aufbringt, das an das Beste glaubt. Für ihn war die Welt noch in Ordnung. Bringt man mich her, holt man mich ab. Sagt man „gleich", dann ist es gleich. Nicht nie.

Gegen zwei rief Selma beim Ordnungsamt an. Man sagte ihr, für Fundtiere sei die Polizei zuständig. Die Polizei verwies auf das Tierheim. Das Tierheim sagte am Telefon, man solle das Tier notfalls vorbeibringen, Aufnahmegebühr zwölf Euro, und man müsse mit vier bis sechs Wochen rechnen, bis die alten Besitzverhältnisse geklärt seien.

Sechs Wochen, dachte Larissa. Sechs Wochen in einem Zwinger mit hundert anderen Hunden.

Dann dachte sie an die Scheine, die der Mann auf den Tresen gelegt hatte. Vierzig Euro. Für Baden, Schneiden, Trocknen. Für vierzig Euro hatte er ein Lebewesen entsorgt.

Sie beobachtete Buddy, während Selma Feierabend machte. Sie zog den Reißverschluss ihrer Jacke hoch, nahm den Helm von der Ablage, sagte „bis morgen" und blieb noch einen Moment an der Tür stehen. Buddy hob den Kopf. Nicht, weil er sie kannte. Nur weil da jemand war. Dann ging Selma, und Buddy legte den Kopf wieder auf die Pfoten.

Larissa blieb allein. Draußen wurde es dunkel. Der Hinterhof lag in diesem Zwielicht, das die Laternen orange und den Rest grau machte. Sie räumte die Scheren ein, wischte den Tisch ab, füllte die Weinflasche auf dem Fensterbrett mit Wasser für die Grünlilie, die schon wieder braune Spitzen bekam. Es war die dritte Nacht dieser Woche, in der sie länger blieb. Zu Hause wartete niemand. Das war schon länger so. Ihr Mann hatte vor zwei Jahren die Wohnung in Walle übernommen, und sie war nach Neustadt gezogen, in die kleine Wohnung über dem Salon, die nach Bohnerwachs roch und im Winter nie richtig warm wurde.

Um neun machte sie das Licht aus. Buddy lag jetzt zusammengerollt neben dem Tresen. Er hatte die Tür aufgegeben. Nicht, weil er nicht mehr wartete, sondern weil er müde war. Larissa kniete sich neben ihn.

„Du kannst hier schlafen", sagte sie.

Buddy sah sie an. Dann seufzte er, einmal tief, als habe er etwas begriffen, das sie selbst noch nicht verstand.

Am Morgen war er wieder an der Tür.

Es ging drei Tage so weiter. Jeden Morgen saß Buddy an der Scheibe, jeden Abend rollte er sich neben dem Tresen zusammen. Am Donnerstag rief ein Mann an, der seinen Pudel abholen wollte, und fragte, warum da ein fremder Hund im Fenster sitze. Larissa sagte, er passe nur kurz auf die Einrichtung auf. Sie brachte Buddy nach hinten und spürte, wie dumm sich das anfühlte.

Am Freitag kam ein Mädchen, vielleicht sieben oder acht, mit ihrer Mutter, einen Korb in der Hand, aus dem ein Chihuahua quiekte. Das Mädchen sah Buddy hinter dem Tresen liegen.

„Ist das Ihrer?", fragte sie.

„Nicht meiner", sagte Larissa.

„Wessen dann?"

Larissa drehte den Wasserhahn auf. Das Rauschen übertönte ihre Stimme. „Weiß ich nicht."

Das Mädchen stellte den Korb ab. Ihr Gesicht war ernst, fast älter als sie. „Hunde vergessen nicht, wenn jemand nicht wiederkommt", sagte sie. Dann hob sie den Korb und ging.

Die Mutter lächelte entschuldigend. „Sie liest zu viel", sagte sie.

Larissa trocknete sich die Hände ab. Sie sah Buddy an. Er hatte den Kopf gehoben, als hätte er verstanden. Nicht die Worte. Etwas anderes.

Am Abend dieses Freitags rief sie im Tierheim an und hörte sich hundertmal die Warteschleife an. Sie legte auf. Sie rief Jürgen an, ihren Exmann. Er war Tierarzt, aber das war nicht der Grund. Sie war so weit unten, dass sie mit jemandem sprechen musste, der ihre Wohnung kannte, weil er sie mit ausgesucht hatte.

„Ich habe hier einen Hund", sagte sie.

„Seit wann hast du einen Hund?"

„Seit Dienstag."

„Und was willst du von mir?"

„Was man macht. Wenn er nicht abgeholt wird."

Jürgen schwieg. Sie hörte, wie er irgendwo eine Tasse hinstellte. Im Hintergrund lief ein Radio, dieses monotone Programm, das er immer beim Abwasch hörte.

„Du wartest noch zwei Tage", sagte er. „Dann rufst du die Polizei. Die bringen ihn ins Tierheim. Oder du behältst ihn. Aber dann brauchst du das Sorgerecht."

„Sorgerecht für einen Hund."

„Das heißt Fundtier. Wenn sich der Besitzer nicht meldet, sechs Monate. Danach kannst du ihn übernehmen. Aber du musst ihn beim Fundbüro melden. Sonst machst du dich strafbar."

„Der Besitzer hat eine tote Telefonnummer hinterlassen."

„Umso besser." Jürgen lachte auf. „Dann ist es doch klar. Der will ihn nicht. Behalt ihn."

„Ich will keinen Hund."

„Du rufst mich an, wegen einem Hund, den du nicht willst?"

Larissa legte auf.

Buddy hatte geschlafen. Jetzt war er wach, kam herüber, legte den Kopf auf ihr Knie. So standen sie eine Weile, das Telefon noch warm in ihrer Hand.

Am Samstag kam der Mann.

Er trug dieselbe Jacke wie am Dienstag. Dieselben Schuhe, braun, vorn abgewetzt. Er öffnete die Tür und blieb stehen, als sei das der schwierigste Teil. Buddy sprang auf. Er zitterte am ganzen Körper, die Rute wedelte in harten Schlägen gegen den Tresen.

„Buddy", sagte der Mann. „Komm."

Buddy machte zwei Schritte. Dann blieb er stehen. Er schaute zu Larissa.

Sie sah den Mann an. Er sah über sie hinweg, zur Ladentheke, zur Kasse, zu dem Schild mit den Preisen. Überallhin, nur nicht zu ihr.

„Vier Tage", sagte Larissa. „Sie haben gesagt, in ein, zwei Stunden."

„Das war so geplant." Er zog die Brieftasche heraus. „Was schulde ich Ihnen? Fürs Futter? Ich zahle das."

Buddy saß jetzt. Er saß zwischen ihnen, die Rute still, den Blick zwischen Mann und Frau, als warte er auf eine Erklärung, die es nicht gab.

„Planen Sie es immer so?", fragte Larissa.

Der Mann blätterte in seiner Brieftasche. „Ich bin umgezogen. Nach Hamburg. Die neue Wohnung hat keinen Garten."

„Und da bringt man einen Hund nicht mit."

„Er ist kein Hund für die Stadt."

„Er ist ein Labrador-Mix", sagte Larissa. „Der sitzt seit vier Tagen an der Tür und wartet. Selbst wenn Sie ihn abholen wollten — er hat sich die ganze Zeit nicht von der Scheibe bewegt."

Der Mann legte drei Zehnerscheine auf den Tresen, dazu ein paar Münzen. „Das reicht sicher."

Er zog an der Leine. Buddy stand auf, langsam, als habe er plötzlich Schmerzen in den Gelenken. Er sah sich um, zu Larissa, zu der Tür, zu dem Platz neben dem Tresen. Dann ging er, weil die Leine zog und weil er vier Tage lang auf genau diesen Moment gewartet hatte.

An der Tür drehte sich der Mann noch einmal um. „Er hat es gut gehabt, hier", sagte er.

Dann ging er. Die Tür fiel zu.

Larissa stand hinter dem Tresen. Draußen fuhr die Straßenbahn vorbei. Sie hörte das Zischen, die Türen, den Ton, der sagte: zurückbleiben, bitte.

Sie griff zum Telefon. Sie wählte die Nummer des Ordnungsamts. Als man sie fragte, worum es gehe, sagte sie: „Ich möchte ein Fundtier melden."

Es gab ein Formular. Drei Seiten. Name des Tieres, Geschlecht, geschätztes Alter, Fundort, Fundzeit, besondere Merkmale. Bei „Besitzer" schrieb Larissa: unbekannt. Bei „Telefonnummer" schrieb sie die tote Nummer hinein, die der Mann hinterlassen hatte, und in der Zeile darunter notierte sie: nicht vergeben.

Dann unterschrieb sie.

Sie zahlte achtunddreißig Euro Bearbeitungsgebühr. Dazu zwölf Euro Futtergeld für die ersten Tage. Sie bekam eine Quittung, die sie in die Schublade unter dem Tresen legte, zwischen die alten Rechnungen und den Zettel mit der Nummer, unter dem sie jetzt schrieb: sechs Monate.

Sechs Monate, dachte sie. So lange musste ein Hund warten, bis etwas, das man weggeworfen hatte, für immer wegblieb.

Buddy lag an diesem Abend zum ersten Mal nicht an der Tür. Er lag unter dem Tisch im Trockenraum, auf einem Handtuch, das Larissa dort für ihn hingelegt hatte. Sie saß auf dem Boden, den Rücken an die Waschmaschine gelehnt, und blickte durch das Oberlicht. Ein Flugzeug zog vorbei, die Positionslichter blinkten im Takt. Sie zählte die Sekunden zwischen den Blitzen: eins, zwei, drei, vier.

Sie dachte an das Mädchen. Hunde vergessen nicht, wenn jemand nicht wiederkommt. Das stimmte nicht. Hunde vergessen nicht, wenn jemand geht, ohne zu sagen, dass es für immer ist. Sie vergessen nicht die Ungereimtheit.

Buddy atmete tief. Er träumte. Die Pfoten zuckten.

Larissa streckte die Hand aus und legte sie neben seinen Kopf. Nicht auf ihn. Nur daneben. Buddy roch im Schlaf nach Mandeln.

Am Montag rief ein Mann an, der sagte, er sei der Besitzer, er habe gehört, sein Hund sei abgegeben worden. Larissa fragte nach dem Namen. Er nannte einen anderen. Sie sagte, der Hund sei hier nicht abgegeben worden, und legte auf.

Sie wusste, dass er es war. Sie hatte seine Stimme erkannt — dieses zu schnelle Sprechen, als müsse er sich selbst überzeugen. Aber sie wusste auch, dass das Formular ihr recht gab. Sechs Monate. Wer einen Hund an der Tür abgibt und eine tote Nummer hinterlässt, der hat ihn nicht verloren. Er hat ihn aufgegeben.

Buddy hob den Kopf. Er sah sie an, mit diesem Blick, der fragte: Wer war das? Eine Falte lag zwischen seinen Augen, als hätte er die Stimme ebenfalls erkannt.

Larissa nahm die Quittung aus der Schublade. Sie strich das Papier glatt, faltete es zweimal und schob es in die Innentasche ihrer Jacke. Dann ging sie zum Fenster und blickte in den Hinterhof, wo die Grünlilie in der Weinflasche stand, so einsam, dass sie darüber lachen musste, kurz, tonlos.

Am zehnten Tag ging sie mit Buddy zum ersten Mal in den Park um die Ecke. Er lief nicht weit weg. Er blieb in ihrer Nähe, die Leine kaum gespannt, als hätte er gelernt, dass Nähe nicht selbstverständlich war. Ein Junge warf einen Ball, ein Hund jagte ihm nach, ein anderer bellte. Buddy sah zu, ohne hinzulaufen. Dann schaute er zu Larissa, als bräuchte er eine Erlaubnis.

„Los", sagte sie. „Geh."

Buddy lief los, drei Schritte, blieb stehen, sah zurück. Dann drehte er sich um und rannte zu ihr zurück, mit dem ganzen Körper wedelnd, als sei genau diese Rückkehr das Spiel.

Larissa kniete sich hin. Sie nahm sein Gesicht in beide Hände. Das Fell an den Ohren war weich, dort, wo sie es am Dienstag abrasiert hatte. „Du musst nicht zurückrennen", sagte sie. „Ich bin noch da."

Buddy leckte ihre Hand, einmal, sachlich, als müsse er das nicht betonen, weil er es längst wusste. Dann trottete er los, den Ball im Gebüsch im Blick, und zum ersten Mal, seit sie ihn kannte, wedelte seine Rute in diesem Tempo, das nicht mehr Warten war.

Im Salon stand die Grünlilie immer noch auf dem Fensterbrett. Larissa goss sie, während Buddy auf dem Handtuch im Trockenraum schlief, die Pfoten im Traum laufend. Draußen fuhr die Straßenbahn vorbei. Die Tür zischte. Buddy hob nicht mehr den Kopf.

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Der Hund, der am falschen Morgen wartete