Am 3. August saß ich im Wartezimmer der Notarin in der Bahnhofstraße in Freiburg und hielt eine braune Mappe auf dem Schoß, so fest, dass meine Fingerknöchel weiß wurden. Draußen roch es nach Regen auf heißem Asphalt, jemand hatte in der Bäckerei gegenüber die Markise noch nicht runtergelassen, und ich dachte: in zwanzig Minuten ist das hier vorbei. So oder so.
Ich heiße Renate Adler, ich bin achtundfünfzig, und die Autowerkstatt in der Wiehre, die meinem verstorbenen Mann Konrad gehört hatte, führe ich seit elf Jahren. Elf Jahre, in denen ich jeden Montag um sechs Uhr die Rollläden hochgezogen habe, in denen ich gelernt habe, was ein Zahnriemenwechsel kostet und wie man mit Lieferanten verhandelt, die einen Rentnerinnen-Rabatt anbieten wollen, den man nicht braucht. Mein Schwiegersohn Matthias, verheiratet mit meiner Tochter Franziska, hat in den letzten drei Jahren als Meister dort gearbeitet. Ich habe ihm vertraut. Ich habe ihm eine Vollmacht gegeben, weil ich dachte, Familie sei Familie.
Im Mai fand ich im Aktenordner eine Kopie, die dort nicht hingehörte. Ein Übertragungsvertrag, unterschrieben mit meinem Namen — einer Unterschrift, die zu sauber war, um meine zu sein. Matthias hatte die Werkstatt, Kundenstamm, Hebebühne, den alten Käfer, den Konrad nie verkaufen wollte, auf sich eintragen lassen. Fünfundzwanzigtausend Euro stand als Wert im Vertrag. Der Betrieb ist heute über zweihunderttausend wert.
Ich habe ihn nicht angeschrien. Ich bin am Küchentisch sitzen geblieben, mit der Kopie vor mir, und Franziska stand in der Tür, ein Geschirrtuch in der Hand, das sie immer wieder zusammenfaltete und wieder auffaltete, als könnte sie damit irgendwas ungeschehen machen. "Mama, er wollte nur absichern, dass die Werkstatt in der Familie bleibt", sagte sie. Ich fragte sie, warum dann mein Name auf dem Vertrag fehlte, wenn es doch um die Familie ging. Sie hatte keine Antwort. Nur das Geschirrtuch, immer wieder gefaltet.
Matthias kam eine Woche später vorbei, an einem Donnerstagabend, mit einer Flasche Wein, die ich nicht öffnete. Er sagte, ich solle das nicht so eng sehen, er habe doch alles am Laufen gehalten, während ich "in Trauer" gewesen sei — so nannte er die elf Jahre, in denen ich Konrads Werkbank sauber gehalten und seine Kunden mit Vornamen begrüßt habe. Er sagte, mit siebenundfünfzig — er verschätzte sich sogar bei meinem Alter — könne ich sowieso nicht mehr lange arbeiten, und die Werkstatt brauche "jemanden mit Zukunft". Ich hörte ihm zu, die Hände flach auf dem Tisch, und dachte an den Nachbarshund von Familie Öztürk zwei Häuser weiter, der jeden Abend um genau halb sieben bellt, wenn der Müllwagen um die Ecke biegt — ein Geräusch, das mir in dem Moment lauter vorkam als alles, was Matthias sagte.
Ich rief am nächsten Morgen meinen Anwalt an, Herrn Dr. Baumgartner, den Konrad noch selbst engagiert hatte, für Verträge mit Zulieferern. Er hörte sich die Sache an, ließ eine lange Pause, dann sagte er nur: "Frau Adler, bringen Sie mir den Originalvertrag, die Grundbuchauszüge und Ihre Ausweiskopie. Und schreiben Sie auf, wann genau Sie die Vollmacht unterschrieben haben." Ich schrieb es auf. Ich fand die alte Vollmacht in der Schublade unter dem Telefonbuch, das eigentlich niemand mehr benutzt, das ich aber nie weggeworfen habe, weil Konrads Handschrift auf der ersten Seite steht.
Die gerichtliche Prüfung dauerte zehn Wochen. Ein Schriftgutachter bestätigte, dass die Unterschrift auf dem Übertragungsvertrag nicht von mir stammte. Matthias hatte die Vollmacht, die ich ihm für Bankgeschäfte der Werkstatt gegeben hatte, benutzt, um beim Notar in Denzlingen einen Vertrag zu beglaubigen, den ich nie gesehen hatte. Das Gericht erklärte die Übertragung für nichtig.
Und jetzt, an diesem Nachmittag im August, saß ich also wieder bei einer Notarin — dieses Mal bei Frau Dr. Lindqvist, nicht bei der aus Denzlingen —, um die Werkstatt formell zurück auf meinen Namen eintragen zu lassen und zugleich etwas Neues zu tun: Ich übertrug fünfundzwanzig Prozent der Anteile auf meinen langjährigen Gesellen, Herrn Yilmaz, der seit siebzehn Jahren dort schraubt und der mir, als ich im Mai kaum noch schlafen konnte, jeden Morgen kommentarlos einen Kaffee auf den Schreibtisch stellte. Die restlichen fünfundsiebzig Prozent blieben bei mir. Franziska bekam eine Kopie des neuen Handelsregistereintrags per Post, ohne Brief, ohne Kommentar.
Matthias stand zwei Tage später vor der Werkstatt. Ich sah ihn durch das Fenster, wie er an der Tür rüttelte, die er mit seinem alten Schlüssel nicht mehr aufbekam, weil wir das Schloss hatten austauschen lassen. Herr Yilmaz ging raus, in seinem blauen Overall, wischte sich die Hände am Lappen ab und sagte nur: "Der Schlüssel gilt nicht mehr, Matthias. Frag Renate, wenn du was willst." Dann ging er wieder rein, zur Hebebühne, wo ein grüner Passat auf den Ölwechsel wartete.
Ich stand hinten im Büro, mit der braunen Mappe, jetzt endgültig abgeheftet im Aktenschrank unter "Eigentum — Original", und hörte, wie draußen der Bus 11 an der Haltestelle hielt und wieder losfuhr. Ich öffnete die Kasse nicht, ich zählte nichts nach. Ich machte mir einen Tee, setzte mich an Konrads alten Schreibtisch und sah zu, wie Herr Yilmaz durchs Fenster dem Passat-Fahrer erklärte, dass der Wagen bis Freitag fertig sei.







